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Willkommen im Dschungel

Ich bin ja nicht so der Mensch für Jahresrückblicke. Deshalb wird es auch dieses Jahr keinen (von mir) geben.

Am Ende eines Kalenderjahres werden wir alle ja erschlagen von unzähligen Formaten, in denen uns das Jahr „erzählt“ wird. Und oft schlagen wir uns an die Stirn und fragen uns angesichts eines Ereignisses, ob das tatsächlich in diesem Jahr geschehen ist…. Und nicht schon letztes, oder vorletztes.

Schon darin zeigt sich eine Problematik: Es geschieht so viel im Laufe von 365 Tagen: unser mittlerweile auf Halbwertzeiten von wenigen Sekunden und große Lettern trainiertes Hirn will das gar nicht mehr wissen. Eine zweite Problematik: Nur selten gelingt es ein Ereignis wirklich zu erinnern. Meist wird es dann von einer Erzählung begleitet („er/sie war live dabei: erzählen sie mal, was sie dabei gefühlt haben“), die vom eigentlichen Geschehen ablenkt. Das ist so dramatisch plump und dumm geworden, dass ich es vorziehe, lieber etwas zu vergessen, als es hübsch garniert und aufbereitet serviert (und interpretiert) zu bekommen.

Blick auf Neibsheim

Warum nur traut man uns so wenig zu?

Statt also meine Bilder des Jahres zu zeigen, zeige ich lieber Bilder, die mein JETZT zeigen. Eben den Kraichgau. Oder besser Ausschnitte des Kraichgau und kleine Momente meines Lebens.

ein frostiger Morgen während der Hunderunde
Blick auf die Adlersbergkapelle

Schauen wir kurz nach vorne: Da erwartet uns auch im neuen Jahr der Dschungel. Vielleicht noch dunkler, noch gefährlicher. Vielleicht aber auch nicht. Denn:

„Wir müssen alles erwarten, auch das Gute“ (Jo Schück)

Oder um es mit Worten der wunderbaren Mascha Kaleko zu sagen:

Rezept

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Bleiben wir zuversichtlich!

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5 Kommentare

  1. Lieber Werner,

    ich wünsche dir ein gutes Jahr, voller Licht und Wärme! Die Bilder, die mir allesamt gleich gut gefallen, zeigen ein freundliches Jetzt, möge es so bleiben.

    Ich habe in diesem Jahr im TV keinen Jahresrückblick geschaut, genau aus den Gründen, die du nennst. Allerdings habe ich mich gedanklich schon mit meinem persönlichen Jahr befasst und auf meinem Blog mit meinem fotografischen 2025. Ich mache das bisher nicht regelmäßig, weil es ganz schön viel meiner Zeit frisst, aber für mich sehe ich darin einen Sinn. Es ist eine Form der Reflexion.
    Und ich sehe mir das tatsächlich auch gern auf anderen Blogs an ;-).

    Liebe Grüße

    Conny

    1. Liebe Conny,

      ich habe gerade bei „Shashindo“ (https://shashindo.de/2025-reviewed/) kommentiert und darin erzählt, wie wir es mit dem RÜckblick halten (wenn Oli den Kommentar freigeschaltet hat, kannst du es-sofern du es möchtest, gerne nachlesen). Tatsächlich schaue ich mir ausgewählte (und sehr wenige) Rückblicke von Fotografen auch gerne an. ABER: Das Internet bringt es eben so mit sich, dass es von allem zu viel ist, vielem/einigem kann mich nicht (oder kaum) aus dem Weg gehen. Das „Zuviel“ (es macht ja JEDER einen Blick zurück), schauert mich. Es hat mitunter was Fetischhaftes.
      Ich werde mich in 2026 dieser zunehmenden Abneigung gegen diese Art von Konsum stellen (müssen). Das Thema braucht für mich Bewegung.

      Für dich alles Liebe und Gute in 2026, Conny. Freue mich auf unseren Austausch.
      Werner

  2. sehr schöne jetzt-momente. vielleicht beneide ich dich auch darum, dass du keine jahresrückblicke brauchst. ich habe immer das gefühl, dass mir die zeit verrinnt, wenn ich sie am ende eines zeitraums nicht noch einmal reflektiere. es ist dann immer ein bisschen so, als ob das leben gar nicht stattgefunden hätte.

    1. Ich mache sie ganz persönlich für mich: Ausgewählte Aufnahmen „Meines Jahres“ finden Eingang in ein hochwertiges Fotobuch. Das mache ich schon seit Jahren. Fotos gehören auf Papier. Analog zum Anfassen.. Das ist meine Art der Reflektion. Ich brauche das auch.

  3. Lieber Werner,

    dein Blick auf die Sache mit dem Rückblick finde ich gut, trägt er letztlich zu sowas wie „Vielfalt“ bei. Wenn man weiß, was einem gut tut, sollte man das auch so machen.

    Bei mir ist es meistens so, dass ich – auf mein Archiv gesehen – sowieso rückblicke. Monatlich, und dann eben jährlich. Da selektiert sich vieles raus. Und außerdem finde ich, dass es gut tut, mal zu visualisieren, was überhaupt gewesen ist! Das gerät gerne aus dem Blick, und nach vorne geht es besser, wenn man weiß, wo man herkommt – auch fotografisch… 😉

    Ein feines, freundliches und friedvolles 2026 wünsche ich Dir!

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