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Zwischenräume – 1

I don’t give a damn
For the same old played out scenes
I don′t give a damn
For just the in-betweens

Aus „Badlands“ / Bruce Springsteen

Leise Momente zwischen zwei Schritten, zwischen einem Satz und einem Atemzug. Zwischen eben, jetzt und gleich. Leise dahingehaucht. Zwischenräume.

Diese Räume sind kleine Pausen, in denen wir kurz stehenbleiben, um uns selbst im Weltgetriebe wieder einholen zu können. Die kleinen Fugen im Alltag, durch die Licht fällt. Die Übergänge, in denen wir spüren, dass Veränderung nicht immer mit einem Knall und viel Tamtam daherkommt, sondern vielmehr oft ein sanftes Verschieben von hier nach dort oder von da nach hier. Und in diesen Pausen stellen wir fest, dass Lautstärke nur Gesichter zu Fratzen werden lässt: Nicht mehr.

Vielleicht sind Zwischenräume aber auch unser eigentlicher Lebensraum: Immer nicht ganz voll, aber auch niemals ganz leer. Immer nicht ganz angekommen, aber schon lange auf der Reise. Immer wieder suchend, immer wieder Neues findend. Das Leben als „ein tänzelndes Schweben“, wie es Konstantin Wecker ausdrückt.

Hier wo ich lebe, inmitten sanfter im Wechsel dahinschwingender Hügel und Täler -im Kraichgau- zeigen sich diese Risse, diese Fugen, diese kleinen Zwischenräume überall: zwischen zwei Hügeln, einer sanften Niederung. Doch auch zwischen Menschen, die sich begegnen: zwischen dem, was war, und dem, was werden könnte.

Diese Zwischenräume lehren uns oft, genauer hinzuschauen. Nicht nur auf das Offensichtliche, sondern auf das, was sich im Dazwischen verbirgt: ein Gedanke, der sich formt. Ein Gefühl, das sich zeigt. Ein Gesicht, das plötzlich eine Geschichte erzählt, oder ein Mensch, der diese Räume in seinen Fotos sichtbar machen will.

Zwischenräume sind Einladungen. Zum Innehalten. Zum Lauschen. Zum Wahrnehmen.

Und manchmal sind sie der Ort, an dem wir uns selbst begegnen — ganz leise, unaufgeregt und ohne Maske,

Zwischenräume sind das, was mich interessiert: Dort wo das Glatte, Genormte, Gewollte seine Risse zeigt. Da will ich hin.

Zwischenräume werden mich in diesem Jahr begleiten. Im Grunde tun sie das schon ja schon immer.

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3 Kommentare

  1. Das ist ein starker Beitrag, in dem ich so viel sehe und verstehe, danke Dir dafür!

    Deinen Beschreibungen lässt sich fein folgen. Ich kenne auch so Rillen im Zwischenmenschlichen: die Pausen, in denen Worte stören, weil das Herz mehr sagt als der Mund. Die Augen treffen sich, der Atem wird ruhig, und irgendwo zwischen Frage und Antwort entfaltet sich ein Verständnis, das nur durch dort in diesem Zwischendrin entsteht.

    Ich sehe die Momente förmlich vor mir, die sich dehnen oder zusammenziehen, je nachdem, wie wir sie betrachten. Immer zwischen irgend etwas liegt das Leise, das Subtile. Aber weißt Du was, lieber Werner, gleichzeitig können Zwischenräume auch scharfe Kanten haben – das Abwägen, das Zögern, das Loslassen.

    Was Du meinst, glaube ich zu erahnen: Zwischenräume sind die hauchdünnen Fugen, in denen das Menschsein atmet. Ich finde es wunderbar, dass Du dir das als „Zielort“ ausgewählt hast. Ich freue mich jetzt schon auf das, was folgt.

    Bleib neugierig und heil!

    Beste Grüße, Dirk

  2. Moin Werner,

    du hast in deinem Text etwas beschrieben, was schwer zu greifen oder abzugrenzen ist, wenn es nicht gerade um eine Landschaft geht. Spannende Gedanken, die ich schon ein paar Tage mit mir herumtrage.

    Liebe Grüße

    Conny

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