Der Duft von

Wie sehr hatte ich den Duft von Regen nach großer Hitze vermisst! – Wie lange war es trocken, heiß und wolkenlos? Und wie sehr schlug die nicht enden wollende Hitze auf das Gemüt: Eine Endlosschleife mit Schweiß auf der Haut. Und dann endlich: Regen! Petrichor nennt man diesen so typischen (und wunderbaren) Duft.

Noch etwas anderes prägt seit geraumer Zeit unser Stadt- und Dorfbild (gell, Friedrich?): Deutschlandfahnen in vielen Vorgärten, Hauswänden und Fenstern. Erst glaubte ich, es hänge mit der am Ende so verkorksten Fußballweltmeisterschaft zusammen. Alle vier Jahre zeigen wir ja gerne, dass wir alle Deutschland sind und sehnen uns gemeinschaftlich nach einem Sommer à la 2006.

Doch dann schieden „wir“ recht sang- und klanglos aus…..Doch die Fahnen blieben: Schwarz-Rot-Gold all around. Auch gerne mit Wappen. Wir wollen wohl offensichtlich wieder „wer“ sein. Es hängt der Duft vom Wunsch nach vergangenen Zeiten in der Luft.

Ja, es hat sich offensichtlich was verändert im Land.

Grönemeyer beschrieb es schon 1986 in seinem Song „Tanzen“:

Wir haben ihn endlich wieder, unseren Nationalstolz
wir atmen auf, es stirbt der Wald
wir sind eben aus ganz besonderem deutschen Holz
wir sind eiskalt, wir sind wieder wer – wer nur?
zweifelsfrei deutsch pur

Nur heute stirbt nicht nur der Wald, er nimmt die Flüsse und gleich das ganze Klima mit. Aber egal: Hauptsache „deutsch pur“! – Schreck lass nach.

Nach einem sehr heißen Sommer hier im Kraichgau, droht uns allen nun ein „heißer“ Herbst mit Wahlergebnissen, die uns sorgen sollten. Gell, Friedrich?

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5 Kommentare

  1. Lieber Werner,

    Ich bin derzeit nicht in Deutschland, deswegen konnte ich den ersten Regen leider nicht miterleben.

    Ich fahre gerade durch den Balkan und muss feststellen, dass die Albaner ihre Nationalflagge feiern, wie nichts anderes. Das ist schön.

    Leider wird in Deutschland die Flagge wieder von einigen Menschen missbraucht. Die falschen Menschen mit katastrophalen Idealen nehmen unsere Flagge um Ihre Meinung kundzutun. Damit ist das nationale Symbol (welches eigentlich für uns alle da sein sollte) für mich leider echt schwierig. Selbst bei der letzten Weltmeisterschaft.
    Damit ist die Frage nicht mehr: „Darf man denn die deutsche Flagge nicht mehr aufhängen?“ Sondern: „Warum habt Ihr Nazi-Är…e uns unsere Flagge weggenommen, indem Ihr sie für eure Zwecke missbraucht??“
    Schade eigentlich.
    Jetzt bleibt nur zu Hoffen, dass das nächste Wahlergebnis nicht katastrophal wird. Mir ist mulmig zumute.
    Solange es aber noch Menschen gibt die an die gute Sache glauben, bin ich zuversichtlich.
    Liebe Grüße
    Jürgen

  2. Ist es nicht schade, dass unsere Flagge einverleibt wurde um ein falsches Deutschland zu bejubeln.
    Ich bin schon stolz auf unser Land.
    Auf die Bürgerinnen und Bürger die mutig für die Demokratie einstehen. Die Schutzsuchende willkommen heißen. Für sich selbst neu-erfindende Industrien, für unsere Sportlerinnen und Sportler, für unsere Kultur und Kulturschaffenden, für die Landschaften und das Essen.
    Und ich bin sehr sehr stolz auf die Gründungsväter dieser Bundesrepublik Deutschland!
    Ich wollte in keinem anderen Land leben.
    Und ich kann es nicht zeigen und ausdrücken ohne damit ein Zeichen zu setzen, das ich nicht unterstützen will.
    Traurig.

    Brauche wir Demokraten ein Zeichen wie die ersten Christen? Den Fisch in der Hand?

    1. Das ist sehr sehr schade, ohne Frage. Ich selbst kann mit dem Begriff „Stolz“ im Zusammenhang mit unserem Land nicht so viel anfangen. Ich lebe gerne hier, bewundere die Lebensleistung mancher Menschen und nutze die Vorzüge unseres Sozialstaates. In Grunde sind das alles WIR, die das machen. Und um diese Gemeinschaft versammeln wir uns. Das Symbol für dieses ‚Wir“ ist die Flagge. Beides aber droht verloren zu gehen.

  3. Lieber Werner,
    die Sache mit dem Stolz ist wirklich nicht einfach. Man hört das, bekommt es ggf selbst im Zusammenhang mit eigenen Dingen gesagt, und immer bleibt dieses befremdliche Gefühl dabei. Kommt dann noch die Fahne ins Spiel, ist es komplett kompliziert. Ich war 3 Wochen in der Schweiz. Da hängt gefühlt an jedem 2. Haus die Nationalfahne. Sie steht dort als Ausdruck für die Überzeugung, gerne in diesem Land zu leben, und es auch zu zeigen. Mit dem bei uns üblichen Wehklagen, dieses Symbol der „schlechten Seite“ zu überlassen, verlieren wir nicht nur die Hohheit über ein gutes Symbol, sondern auch ein Stück sichtbare Identität. Damit meine ich die Werte, die alles das ermöglichen, was man mit Deutschland als guten Fleck Erde einst verband. Die sogenannte „Mitte der Bevölkerung “ gibt schweigend alles aus der Hand, und nörgelt dann rum, wenn Andere es sich nehmen. Die Folgen sieht man längst: Totale Depression landauf, landab.
    Mich alarmiert das zunehmend.

    Bleibt heil, neugierig und kreativ!
    LG, Dirk

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