Grau sind alle Zwischentöne

Ich lese (viel). Das habe ich schon immer getan. Zuerst auf Papier und dann … immer noch auf Papier. Die komplette technische Entwicklung, Gedrucktes auf andere Art zu konsumieren, sind gänzlich an mir vorbei gegangen. Also stapeln sich immer noch Bücher und Zeitungen in meiner „Leseecke“ (dort liegt aber auch meist ein Bildband zur Fotografie – momentan ist es „Life in photographs“ von Linda McCartney) und an meinem Bett.

SChwarz weiss Foto zeigt den Blick auf den Ort Gondelsheim
Blick auf Gondelsheim

Gerade las ich das letzte SZ Magazin und darin den Artikel über Luisa Neubauer. Und einige Tage später hörte ich (tatsächlich! – kein Buch) während einer Autofahrt eine Podcastfolge mit Toni Kroos.

Was schwarz oder weiß ist, darf niemals auch grau sein

In beiden Beiträgen kam (auch) zum Ausdruck, dass sich in unseren gesellschaftlichen Diskussionen meist eine „schwarz/weiß-Haltung“ zeigt, die keine Grautöne mehr zulässt und so den Raum für kontroverse Gespräche verengt bzw. auch ganz unmöglich macht.

Wer Klimaaktivist ist, kann sich demnach nicht auch gegen Rassismus engagieren. Wer sich so differenziere, verwässere sein Anliegen und fände kein Gehör (eine Aussage aus dem Artikel über Neubauer). Oder es gibt nur noch Gewinner und Verlierer , dazwischen bleibt kein Raum mehr (so Kroos über die EM) .

Blick in einen Himmel mit Gewitter

Die Zwischentöne sind das Leben

Das ist eine Haltung, die man auch aus der Kunst kennt: Wer Jazzmusik macht, wird verrissen, wenn er plötzlich Popsongs spielt. Und ein Fotograf, der bisher nur in Schwarz/Weiß fotografiert hat, wird wegen seiner Farbbilder nicht mehr ernst genommen.

Man schaue sich nur die Feeds auf Instagram an: Wer was ist (oder sein will) achtet auf seinen „Look“ und vermeidet Beiträge (und andere Seiten seiner selbst) , die das glatte Aussehen stören könnte.

Was wir alle bekommen ist ein Einheitsbrei an Bildern und Meinungen. Gezuckert mit viel schlechter Laune. – Wie schade. Wir sind so viel mehr.

Unser Leben spielt in diesen Zwischenräumen. Dort tummeln wir uns als Individuen. Trauen wir uns einfach, wir selbst zu sein

(Deshalb gibt`s jetzt Blumen, wo vorher Landschaft war:)

ROsen in einer Nahaufnahme
Die Blüte eines Geißblattes

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2 Kommentare

  1. Polarisierung ist nicht neu aber sie scheint mir erfolgreicher zu werden, als sie es früher war. Auch wenn das wenig originell ist, verorte ich den Motor dieser Entwicklung in den Mechanismen der sogenannten sozialen Medien, vielleicht aber einfach überhaupt in der medialen Vielfalt. In der Vielfalt? Ernsthaft? Ja, denn aus ihr folgt ein Wettstreit um Aufmerksamkeit. Schau! Mich! An!

    In diesem Sinne ist es wertvoll, die Mitte als einen dritten Pol zu schärfen, die Graustifen als erstrebenswert, das Mittelmaß als ideal. Es fällt lustigerweise richtig schwer, das niederzuschreiben. Wer will das schon? Mittelmäßig sein? Das Problem ist aber ein anderes: die Subjektivität. Wo ich bin, ist die Mitte! Das ist leider ein Satz, den man bevorzugt von dort hört, wo man selbst nicht hoffen mag, tatsächlich den Durchschnitt anzutreffen.

    Na ja, ich schweife ab. Danke für die Denkanstöße und liebe Grüße ins Kraichgau!

    Stefan

    1. Ja, wer ist schon gerne die „graue Maus“? – Ich z.B. 🙂 Auch in dieser grauen Mitte kann man sich gut tummeln und seine Farben zeigen.
      Mich macht es ebenso nachdenklich, dass man offensichtlich auch immer nur eines sein darf: Entweder Fotograf oder Maler, Schriftsteller oder Musiker. – Wer mehr als einer Profession nachgeht, ist – so scheint es in den „sozialen Medien“ oft – nicht mehr ernstzunehmen (siehe Interview mit Luisa Neubauer). Das erschrickt mich.
      Gott sei Dank, wissen wir es besser, Steff.
      Liebe Grüße nach Stuttgart!
      Werner

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