In den Wäldern
Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben; intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, daß ich gar nicht gelebt hatte.
Henry David Thoreau (1817 – 1862),
Manchmal fühle ich es wenn es soweit ist: Dann packt es mich und ich muss raus. Dann muss ich einfach meine Kamera nehmen und meinem Gefühl eine Sprache verleihen. Denn: Fotografie ist ein Gefühl. Oder besser: Meine Fotografie ist Ausdruck meines Gefühls.
Es ist ein Flow. Ein Flow, den man vom Sport kennt, auf langen Läufen zum Beispiel. Wenn alles im Einklang ist: Körper und Geist. Wenn sich Gedanken auf den Weg machen und alles – scheinbar losgelöst von Zeit und Raum – eine Leichtigkeit bekommt
Das intensive Leben, von dem Thoreau spricht, es fehlt uns. Wir haben es ausgetauscht gegen den Konsum eines intensiven Lebens. Wir schauen uns Bilder davon auf Social Media an, während wir auf dem Sofa sitzen und darüber nachdenken, wie schön ein intensives Leben wäre. Wenn wir denn denken…. Wir führen ein Leben „über Eck“, die tägliche Ration „Second hand news“.
Wie gut es mir dann geht, wenn er sich einstellt: dieser Flow, der mich genießen lässt: Farben, Formen, Gerüche im Wald. Dann glaube ich zu verstehen, was er meint, der Thoreau, wenn er vom intensiven Leben spricht.