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Im Nebel

Wir befinden uns immer in der Mitte unseres eigenen Lebens

Aus dem Roman „Eden“ von Audur Ava Olafsdottir

… und genau da fühle ich mich ganz wohl: In der Mitte meines eigenen Lebens.

Letzte Woche war es bei uns nicht nur kalt, sondern vor allem auch neblig: Eine trübe grau-weiße Kuppel lag über uns; die Blickweite stark eingeschränkt. Und mittendrin jene Momente, in denen diese Wattewand ganz plötzlich aufriss und der Sonne Platz machte. Es ist genau dieser Mix, der – metaphorisch gesprochen – unser Leben so vielschichtig, manchmal schwierig und doch am Ende spannend macht.

Mit dem Nebel verhält es sich ja so wie mit unserem Blick in unsere Welt im Allgemeinen: Oft diffus, nicht klar konturiert, ungefähr und bisweilen verwirrend. Und dabei irgendwie immer mittendrin. Das Ungefähre aber wollen wir nicht. Wir wollen ja immer das Klare, das Eindeutige. Wir wollen GENAU wissen, was sein wird. Und uns interessiert WIE das was kommt sein wird. Alles Unklare macht uns Angst.

Wir stochern viel im Nebel.

Auch unsere Zukunft liegt im Nebel. Sie liegt vor uns wie ein weißes Blatt Papier auf dem sich etwas grob skizziert abzeichnet. Das fertige Bild von ihr: das machen wir. Es entsteht im Gehen. Die Skizze aber bringt auch Ungewissheit und Zweifel mit sich. Und sie macht Orientierung zu einer großen Aufgabe.

Es gibt nur eine Zeit: deine Zeit. Und ihr Wesen ist Wandlung. Wer die Veränderung nicht will, der will auch nicht das Leben

Georg Danzer, Ruhe vor dem Sturm

Wir haben die Wahl: entweder mit Zuversicht und Neugier weiter zu gehen – auch dann wenn uns der Blick hier und da durch trübes Wetter verstellt ist. Oder verzagt und ängstlich in der Ecke zu verharren und für unsere Sorgen andere verantwortlich machen.

Eines aber verbietet sich grundsätzlich: Unsere Ängste und Sorgen an Dumme auslagern. Sie werden sie nutzen, um aus dem Nebel eine endgültig Dunkelheit zu machen.

Das können wir nicht wollen.

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6 Kommentare

  1. Moin Werner,

    im Nebel sieht man manchmal auch klarer, weil das, was unseren Blick ablenkt, in ihm verschwindet. Für Fotos immer schön, wie man an deinen Bildern sieht.
    Danke für die Erinnerung an dieses wunderbare Lied von Danzer. Ich habe es früher ganz oft gehört, weil ich die düstere Atmosphäre so mochte.

    Liebe Grüße

    Conny

    1. Ja, das stimmt. Eine Perspektive, die ich so gar nicht „auf dem Schirm“ hatte. Man fokussiert sich vielleicht mehr, wenn alles andere im Nebel aus dem Blick gerät.
      Danzer war schon immer einer meiner „Helden“ – ich habe seine Musik sehr geliebt. Damals.
      Liebe Grüße,
      Werner

    1. Danke! – Du weißt doch: es gibt Zeiten, da kann man nur durchhalten. Nichts anderes. Wir müssen jedoch immer darauf vertrauen, dass Neugier und Zuversicht wieder da sein werden. Und: wir müssen alles erwarten, auch das Gute!
      Liebe Grüße
      Werner

  2. Vielen Dank für diese tiefgründigen Gedanken, die den Nebel so treffend als Metapher für die Ungewissheit unserer Zukunft und die Mitte des Lebens beschreiben. Ich finde es klasse, wie du dazu aufrufst, trotz trüber Sicht mit Zuversicht und Neugier weiterzugehen, statt in Ängsten zu verharren. Deine philosophische Sichtweise motiviert mich total, die nächste Nebelwand nicht als Hindernis, sondern als Chance für einen fokussierten Blick auf das Wesentliche zu betrachten.

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