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Von Häusern, Räumen, Türen und Fenstern

Der Blick durch das Schaufenster in einen Geschenkladen in der Innenstadt von Speyer

Die ersten Hürden zum Ende des Jahres haben wir alle wahrscheinlich mühelos genommen: Black friday, black weeks, black deals noch und nöcher. Nicht zu vergessen -irgendwo mittendrin – den Singles day. Gut geshoppt? – Na, dann darf es ja ab jetzt besinnlich werden.

Machen wir es uns also gemütlich, schmücken unsere Häuser und Wohnungen, die Vorgärten, die Einfahrten und Zäune. Stellen wir Sterne und Lichter in die Fenster und zünden Kerzen an. Kommen wir also an: Im Advent. – Für alle, für die das Wort noch eine Bedeutung hat. Alle anderen sehnen sich Jahresende und dem gefühlten „Stopp“ des Alltag entgegen.

Unsere Häuser haben Räume um uns darin aufzuhalten: Wir kochen, essen, trinken und schlafen in diesen Räumen. Wir begegnen Menschen und/oder wir machen es uns alleine darin gemütlich: „Machen buchstäblich die Türen hinter uns zu“: nämlich immer dann, wenn die Welt draußen zu laut wird.

Unsere Räume haben Fenster für das Licht und Türen, um Hinein- und wieder hinaus zu gehen. Wir unterscheiden „drinnen und draußen“. Wir gehen weg und kommen immer wieder her.

Unsere Lebensräume sind vielleicht das wichtigste Element in unserem täglichen Leben. Wohl denen, die welche haben.

Der Blick über die Fensterbank hinaus in den Garten

Unsere Wohnungen und Häuser sind Rückzugsorte. Für uns. Zu Hause SIND wir. Einfach so. Auch in Jogginghose und Tüte Chips. Das ist so, weil wir am Ende „nur“ Menschen sind. Das ist ebenso banal wie andersherum großartig. Es braucht keine Beweise dafür: Zu Hause zählen das Bankkonto, das Auto oder die Modemarken nichts.

Wie wäre es, wenn wir anderen unsere Türen und Fenster öffnen? Anderen, denen es vielleicht gerade nicht so gut geht? Anderen, die ein wenig Wärme, Zuflucht oder Trost brauchen? Anderen, die sich gerne das Weltgeschehen von der Seele reden müssen?

Anderen das zeigen, was wir am Ende eigentlich sind: eine Gemeinschaft. Ohne diese Gemeinschaft sind wir alle Sternenstaub.

Selbst der Hund muss mit zur Black Week bei Müller

Wie wäre es, wenn wir das nicht nur besinnlich betrunken tun würden, sondern in unser Leben integrieren?

….unser Zuhause zu einem „guten Ort“ werden lassen.

Blick in ein leeres Café
Das Tor zum Dom in Speyer

Zu guter Letzt:

Dieser Beitrag wurde unter anderem angeregt durch das neue/aktuelle Buch von Harald Welzer: „das Haus der Gefühle“ : Vielleicht tatsächlich eine Idee für „stille Zeiten“. Danke für die Gespräche hierzu M.W.

Und klar: auch die „Erdmöbel“ dürfen im Dezember eines Jahres nicht fehlen: (kostenlos und keine Werbung; nur pure Leidenschaft)

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2 Kommentare

  1. Lieber Werner,

    danke für die Anregung, mich ein wenig mit dem Buch von Welzer zu beschäftigen. Türen öffnen, Räume schaffen für Begegnung, wie z. B. die Oodi-Bilbliothek in Helsinki, sind gute Gedanken. Im Haus der Gefühle einen inneren Raum für andere öffnen, also die Bereitschaft zu haben, sich auf andere einzulassen, vielleicht auch in einer mehr als flüchtigen Begegnung, auf etwas Smalltalk. Verbindung fühlen. Das nehme ich mit.

    In meinem „Mikrokosmos 700-Seelen-Dorf“ gibt es beim Kaufmann auf engstem Raum eine Sitzecke, die vor ein paar Jahren eingerichtet wurde, damit sich dort Menschen zu einem Schnack begegnen können. Gemeinschaftliche Aktivitäten werden im Dorf hochgehalten und es gibt einen lebendigen Advent: 24 Tage lang öffnen sich Türen, hier und im Nachbardorf, in Institutionen, im Gewerbe, aber auch und vor allem in Privathaushalten. Im November bekommen wir einen Wurfzettel mit dem Plan, was, wann, wo stattfindet und alle sind herzlich eingeladen, z. B. zu Glühwein am Kamin, einem musikalischen Vortrag, einfaches Beisammensein…. Das setzt Vertrauen voraus. Hier kennt irgendwie jeder jeden und wenn über drei Ecken. In einer Großstadt so undenkbar. Und ich zugezogenes Großstadtkind, habe mich auch noch nicht in mir fremde Haushalte getraut ;-).

    Liebe Grüße

    Conny

    1. Liebe Conny,
      was für eine schöne Tradition. Gerade in den „Mikro-Kosmen“ unserer Dörfer und Städte lässt sich das Miteinander bestimmt gut leben. Ich erlebe das hier bei uns im Dorf auch und genieße es.
      Ich wünsche dir eine gute Zeit und nur das Beste für das neue Jahr. Es möge immer etwas Glitter mit sich führen!

      Liebe Grüße,
      Werner

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