Kehraus
Gerade sprach ich von der Vielschichtigkeit unseres Lebens: Schon zeigt sie sich auf eine wieder beinahe wundersame Weise in diesem Land.

Während die einen Narren vor allem im Westen der Republik feuchtfröhlich der Welt ihren Spiegel vorhalten, sind zeitgleich ganz andere Narren gut 600 km weiter südlich in München zugange. Zugegeben: dort sind ihre Kostüme überwiegend bieder, grau – nahezu farb,- ideenlos und uniform. Aber gerade das passt zu den Figuren, die sie mit ihren Masken darzustellen versuchen: Wichtig sind sie, ernst sind sie. Nur selten sieht man ein Lächeln in den Gesichtern. Ihnen ist fast alles Menschliche fremd. In Menschlichkeit steckt Wärme. Hier aber ist es kalt. Sie reden von Sicherheit und über Beziehungen, über Größe, Machtbereiche, Nationen und Stärke. Was sie wirklich meinen und wollen, verstecken sie allerdings in und hinter ihren Masken. Das verraten sie nicht. Aber wir – die Narren – wir wissen es ja ohnehin. Ein kurzer Blick in die starren Gesichter und leblosen Augen verraten es uns.
Diese Narren dort in der Landeshauptstadt Bayerns halten uns zum Narren. Der Karneval, der Fasching oder die Fastnacht hingegen ist für Narren. Ein himmelweiter Unterschied.


Während das Brauchtum der Narren auch dazu dient, den Winter und die Kälte zu vertreiben, predigt die Narretei der Grauen Herren die Eiseskälte eines ewigen Winters. Sie reden über Menschen, wie über Gebrauchsgegenstände: Gut um zu wirtschaften, zu konsumieren und zu sterben. Aber das war es dann bitteschön. Bloß nicht aufbegehren, nicht stöhnen, nicht meckern.

Bleiben wir wachsam und achtsam. Unsere eigentliche Narretei ist bunt und hat keinen Platz für das Geschwätz von Multimillionären.
Geben wir diesen Narren nicht unsere Kraft, unsere Jugend und unsere Leben
